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Sonnenschutz

Eine Beziehung zum Arterhalt

Auch Tiere müssen sich vor der Sonne schützen. Aber es gibt ein Thema in der Tier- und Vogelwelt, das viel spannender als Schutz vor UV-Strahlen ist. UV-Strahlen spielen trotzdem die Hauptrolle.

„Tiere haben es gut. Die brauchen sich nicht mit Sonnencreme einreiben.“ So dürfte so manches Kind denken, das sich daheim, am Strand oder im Skiurlaub wieder einmal weigert, sich von den Eltern eincremen zu lassen, um vor der schädlichen UV-Strahlung der Sonne geschützt zu werden. Natürlich stimmt es, dass Tiere sich nicht eincremen brauchen. Aber, und das ist wichtig: Auch Tiere müssen sich vor der Sonne schützen. Dies passiert auf ganz unterschiedliche Arten und jedes Tier, bzw. jede Tierart hat da ganz eigene Methoden. Gerade im Sommer liest man viele Berichte darüber, wie und warum auch Tiere sich schützen müssen. Auch wir wollten zu diesem Thema etwas beisteuern. Aber manchmal nehmen Berichte, Ideen und Geschichten ihren ganz eigenen Lauf.

Warum wollten wir eigentlich über dieses Thema schreiben? Nicht etwa, weil wir zeigen wollten, dass der Mensch von Tier und Natur lernen kann. Vielmehr, weil es schon sehr interessant ist, zu sehen, was sich die Natur alles einfallen lässt, um zu überleben. Und da sind wir wieder bei den Kindern, die sich ungern eincremen: Die Kinder bekommen, hoffentlich, von Eltern, Großeltern und Freunden mit auf den Weg, dass Sonnenschutz, gerade in der heutigen Zeit, sehr wichtig ist. Aber wer hat es Elefant, Maus & Co. erklärt? Sie haben sich ihren eigenen Weg, ihren eigenen Sonnenschutz gesucht und fahren damit ganz gut.

Ein Federkleid als Schutzmantel

Wir haben alle schon einmal im Zoo oder im Fernsehen Bilder von Elefanten gesehen, die sich mit ihrem Rüssel Sand und Dreck auf den Rücken prusten. So schützen sich die Dickhäuter vor Sonnenbrand. Ein kühles Bad in Becken oder Fluss sorgt für die nötige Abkühlung in der heißen Zeit. Oder nehmen wir das Nilpferd. Es schwitzt eine Flüssigkeit aus, die vor UV-Strahlung schützt. Auch eine Methode, keinen Sonnenbrand zu bekommen. 

Am auffälligsten und naheliegendsten scheint Sonnenschutz bei den Vögeln zu sein. Ihr Federkleid schützt, ähnlich der Kleidung für Menschen, vor den gefährlichen UV-Strahlen. Aber was passiert mit den ungeschützten Stellen? Wir wollten mehr darüber erfahren und haben uns mit Dr. Peter Mullen getroffen, Ornithologe (Vogelkundler) und Inhaber von Sunbird Images. Unsere Frage nach Sonnenschutz bei Vögeln hatte er, wie wir fast vermutet haben, in der Tat schnell erklärt. „Die Federn gewährleisten für die Vögel ausreichenden Schutz vor schädlicher UV-Bestrahlung“, so Mullen, der auf die Beschaffenheit der Federkleider hinweist. Denn die Federn bestehen aus Keratin, sind somit totes Gewebe. Ähnlich unserer Haare oder Hornhaut.

Da Vögel in der Regel fast komplett von Federn umgeben sind, kann die Sonne hier auch keine Schäden anrichten. Allerdings können sich die Deckfedern, das Großgefieder, der Schwanz oder die Schwungfedern abnutzen, mechanisch verschleißen und durch Sonneneinstrahlung auch ausbleichen. Gesundheitlich hat dies aber keine Auswirkungen. Ganz unbedeutend sind diese Tatsachen aber auch nicht, wie wir später im Gespräch erfahren sollten. 

Der Pirol und der Königspinguin. Hier erscheinen beide Tiere im für den Menschen sichtbaren Licht. - Credit: Sunbird Images
Der Pirol und der Königspinguin. Hier erscheinen beide Tiere im für den Menschen sichtbaren Licht. - Credit: Sunbird Images
Der Pirol und der Königspinguin in einer UV-Aufnahme des Duos. Die fluoreszierenden Gefiederpartien zeigen keine UV-Reflexion. - Credit: Sunbird Images
Der Pirol und der Königspinguin in einer UV-Aufnahme des Duos. Die fluoreszierenden Gefiederpartien zeigen keine UV-Reflexion. - Credit: Sunbird Images

Im Gegensatz zu uns Menschen, mussten sich Vögel in der Evolution nicht an die unterschiedliche Stärke der UV-Strahlung gewöhnen. Ihr Schutz war und ist immer da, egal wie stark die UV-Strahlen sind. Wir Menschen dagegen haben unterschiedliche Hauttypen entwickelt, um uns in den verschiedensten Regionen der Welt zu schützen.

Die Anpassung in der Vogelwelt hat einen anderen Grund. „Es gibt sogenannte Selektionsdrücke, bedeutet: Wenn ein Vogel z.B. in der Wüste lebt, wird er eher die Farbe seiner Umgebung annehmen und sein Äußeres verändern, damit er sich vor möglichen Feinden und Räubern schützen kann“, erklärt Mullen. Eine Anpassung an die Umgebung bezogen auf UV ist schlicht nicht nötig.

Okay, das Thema Sonnenschutz bei Vögeln war eher easy. „Aber“, so Mullen, nachdem er kurz und knapp alles erklärt hatte, „es gibt ein Thema in der Tier- und Vogelwelt, dass viel spannender als Schutz vor UV-Strahlen ist. UV-Strahlen spielen trotzdem die Hauptrolle.“ Die Neugier war geweckt, das Interesse groß. Und viel Phantasie vonnöten, denn UV-Strahlen sind für uns Menschen nicht sichtbar, wir können sie nicht fühlen und nicht spüren. Sie sind somit einfach schwer vorstellbar.

UV-Strahlen für eine bessere Kommunikation

Viele Tiere, besonders viele Vögel, Schmetterlinge oder Insektenarten können ein viel breiteres Spektrum des Lichtes sehen, als wir. Sie sind nicht auf die Farben beschränkt, die das menschliche Auge wahrnehmen kann. Und sie nutzen diesen Vorsprung gegenüber den Säugern aus. Aber: Es gibt auch unter Säugern Arten, die UV sehen können, z.B. Mäuse. UV-Strahlen werden benutzt und genutzt: Zur Kommunikation, zur Nahrungssuche und auch zur Orientierung.

Möglich gemacht wird dies durch die Anwesenheit eines UV-Farbrezeptors im Auge. Die Tiere, die UV sehen können, besitzen vier statt drei Farbrezeptoren. Auch hier ist die Maus die Ausnahme. Sie hat nur zwei Farbrezeptoren. Einer davon kann jedoch UV-Licht sehen. Einige Krebse, die ebenfalls über die Gabe des UV-Sehens verfügen, haben sogar bis zu 16 dieser Empfänger und können dadurch, unabhängig von UV, noch mehr Farben wahrnehmen.

Aufgrund dieser Fähigkeiten müssen wir doch noch einmal kurz auf das Thema Sonnenschutz zurückkommen. Während wir unsere Augen mit einer passenden Sonnenbrille schützen sollen und müssen, haben Tiere quasi einen eingebauten Mechanismus, der vor den Strahlen schützt.

UV-Strahlen: Fluch und Segen zugleich

Was passiert, wenn UV-Strahlung auf unsere ungeschützte Haut trifft?

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„Auf den jeweiligen Sehzäpfchen (Farbensehen) sitzen kleine Ölkügelchen, die die UV-Strahlen davon abhalten, einzudringen und Schäden zu verursachen. Bei dem Empfänger, der dafür zuständig ist, dass die Tiere das UV-Spektrum wahrnehmen und sehen können, ist dieses Öltröpfchen jedoch durchsichtig und lässt die Strahlen durch“, beschreibt der Ornithologe diesen Selbstschutz.

Orientierung mithilfe der UV-Strahlen?

Da UV-Licht stark polarisiert, kann es für Insekten und auch für Brieftauben quasi als Navigationsgerät fungieren. Sie orientieren sich am Polarisationsmuster des Himmels, um den richtigen Weg zu finden, wie Mullen in seiner Veröffentlichung „UV-Sehen und UV-Reflexionen bei Vögeln - Farben aus der Vogelperspektive“ schreibt.

Tisch gedeckt, Essen ist fertig

„Die Nudeln sind fertig“, lautete ein berühmter Werbeslogan, - okay, mit dem passenden Markennamen des Herstellers klang er besser - der durch die Wohnzimmer flimmerte. Aber wer ruft den Vögeln zu, dass das Essen fertig ist? Bei der Nahrungssuche helfen verschiedene Pflanzen und Beeren nach. Die Schlehenbeere z.B. entwickelt, wenn sie reif ist, eine Wachsschicht. Diese dunkelviolette Schicht reflektiert nun die UV-Strahlen, so dass die Beere für die Vögel hell leuchtend erscheint. Für die Tiere ein klares Zeichen, dass sie ihre Nahrung gefunden haben. Ohne die besondere Sehfähigkeit verschwimmen die Beeren mit dem Hintergrund des diffusen Blattwerks. Die reifen UV-schichtigen Beeren leuchten für die Vögel wie kleine Punkte im Gebüsch.

Geräuschloses miteinander „reden“

Wie kann man, oder besser gesagt, wie können die Vögel denn durch UV-Strahlen kommunizieren? Vögel können viel bunter und viel farbenprächtiger erstrahlen, als wir Menschen sie wahrnehmen können. Sie erscheinen in UV-Farben, die wir nicht kennen, weil wir sie nicht sehen. „Wir nennen es den ‚Secret Communication Channel‘. Ein Beispiel: Eine Katze ist auf der Pirsch und streunt durch die Gegend. Auf einem Baum sieht sie einen schwarzen Vogel sitzen. Dagegen sehen andere Vögel bei diesem, auch für uns Menschen schwarz aussehenden Vogel noch andere Farben. Dies ist für die Artgenossen eine Art Signal. Für die Katze und für uns nicht sichtbar, für die Vögel mitunter überlebensnotwendig“, beschreibt Mullen das für den Menschen Unsichtbare. „Das Gefieder stellt bei den Vögeln ein wichtiges Signalmedium dar“, so Mullen weiter, der zu diesem Thema seine Doktorarbeit geschrieben hat.

Alles muss Blau sein. Hier sehen Sie die vom Seidenlaubenvogel gesammelten Objekte. - Credit: Sunbird Images
Alles muss Blau sein. Hier sehen Sie die vom Seidenlaubenvogel gesammelten Objekte. - Credit: Sunbird Images
Alles muss Blau sein. Hier sehen Sie die vom Seidenlaubenvogel gesammelten Objekte im UV-Licht. - Credit: Sunbird Images
Alles muss Blau sein. Hier sehen Sie die vom Seidenlaubenvogel gesammelten Objekte im UV-Licht. - Credit: Sunbird Images

Auch für den Arterhalt und die Balz spielen äußere Erscheinung, UV-Farben und spezielle Wahrnehmung eine große Rolle. „Kleider machen Leute“ heißt es weitläufig. Gemeint: Wer was auf sich hält, kleidet sich anständig. Ob es im Leben einfacher wird, wenn man stets akkurat gekleidet ist, oder nicht, überlassen wir lieber unseren Lesern. Aber der Spruch „Bunte Federkleider machen Vögel“ stimmt auf jeden Fall. Ist ein Männchen gesund, geschlechtsreif und zur Paarung bereit, wirkt er auf die Weibchen farbintensiv und besonders gepflegt. Anders gesagt: Der Vogel wirkt anziehend, attraktiv und sexy. Vögel mit einem solchen Äußeren haben es wesentlich leichter eine Partnerin zu finden, als Vögel, deren Gefieder durch Krankheit, Alter oder auch Blässe bedingt durch intensive Sonnenbestrahlung, „langweiliger“ und farbloser daherfliegen. Resümee: Siehst du als Vogel nach nix aus, gibt es kein Weibchen. Ob die Tierwelt nun zu öberflächlich ist, wollen wir hier nicht kommentieren.

Wer täuscht, gewinnt

Es gibt aber auch Beispiele für besonders schlaue und gewitzte Vögel, die durch eine gewiefte Täuschung die Weibchen auf ihre Seite ziehen können. Der Seidenlaubenvogel ist so ein Exemplar. Die Weibchen haben eine große Vorliebe für die Farbe Blau. Vermutlich war diese Spezies früher wirklich mal blauer, als sie heute erscheint. Vielleicht, aufgrund der Evolution und der Notwendigkeit sich vor möglichen Feinden zu schützen, hat sich das Gefieder über die Jahre hinweg farblich verändert. Was geblieben ist, ist die Vorliebe der Weibchen für die Farbe Blau. Somit sammelt das Männchen alles mögliche Zeug, um seine Laube damit zu schmücken und zu dekorieren. Nur Blau muss es sein. Und je mehr er von diesen blauen Dingen in seinem Nest liegen hat, umso erfolgreicher ist er bei der Partnersuche. Der Seidenlaubenvogel, also die Männchen, sind quasi als Sammler und Jäger im Auftrag des Arterhalts unterwegs.

Das war sie, diese besondere Wendung, an die wir gar nicht gedacht haben, als wir über das Thema „Sonnenschutz im Tierreich“ recherchiert haben. Wie spannend Dinge sein können, die man nicht weiß, nicht sieht, nicht fühlt. Was aber definitiv bleiben wird, ist unser Anliegen: Denken Sie daran, sich vor der Sonne zu schützen. Immer. 365 Tage im Jahr. Die Tiere tun es auch. Ohne, dass es ihnen jemand sagt.